Boogie-Woogie - Klavier für Könner

Einfache und schlichte Klavierstücke aus dem amerikanischen Süden um die Jahrhundertwende waren die eigentlichen Vorläufer des Boogie-Woogie. Das so genannte Barrelhouse Klavier wurde in kleinen Clubs gespielt und wenn die Stimmung lauter und ausgelassener war, dann intonierte der Pianist auch schon mal einen Boogie-Woogie.

Großes Können

Einen Boogie-Woogie perfekt zu spielen, setzt vom Pianisten ein großes musikalischen Können und ein sehr gutes Rhythmusgefühl voraus. Beide Hände müssen praktisch unabhängig von einander operieren. Während die linke Hand nur die Bässe spielt, interpretiert die rechte Hand die Melodie. Und das in einem oft rasanten Tempo.

Boogie-Woogie für die Miete

Mitte der 1920er Jahre kam der Boogie-Woogie an die Ostküste der USA und Chicago und New York wurden die heimlichen Hauptstädte der Klaviervirtuosen. Richtig populär wurde der Boogie-Woogie aber auf eine etwas ungewöhnliche Art und Weise, und zwar durch die so genannten „House Rent Partys". Für eine solche Party kaufte der Mieter einer Wohnung alkoholische Getränke, was heimlich passieren musste, denn in den USA gab es zu dieser Zeit die Prohibition, engagierte eine Band mit einem guten Boogie-Woogie-Pianisten und sorgte dafür, dass möglichst viele Leute davon erfuhren, dass in der Wohnung am Abend eine Boogie-Woogie Party stattfindet. Von den Gästen, die kamen, wurde dann Eintritt verlangt und mit diesem Geld wurde schließlich die Miete bezahlt.

Legendär

In den 1930er und 1940er Jahren erreichte die Boogie-Woogie-Welle ihren Höhepunkt. Die Pianisten Clarence „Pintop" Smith und Jimmy Yancey waren die populärsten Vertreter des Boogie-Woogie und spielten regelmäßig vor ausverkauften Häusern. Eine wirkliche Legende ist aber ein Konzert in der New Yorker Carnegie Hall. Dort gaben die Ausnahmepianisten Albert Ammons, Pete Johnson und Meade Lux Lewis 1938 ein Konzert, das die Zuhörer in eine solche Ekstase versetzte, dass sie in ihrer überschäumenden guten Laune und Fröhlichkeit sogar an den Kronleuchtern unter der Decke hingen. Auch heute hat der Boogie-Woogie noch viele Anhänger. Bekannte Vertreter sind zum Beispiel Axel Zwingenberger und Vince Weber.