Ragtime - Amerikas Klassik

Ragtime heißt übersetzt „zerrissene Zeit“ und genau zu einer solchen Zeit der Sklavenbefreiung und den ersten Anfängen der Bürgerrechtsbewegung beginnt die Blütezeit des Ragtime.

Vorläufer des Jazz

Zwischen 1899 und 1914 war der Ragtime die populärste Musik in den Vereinigten Staaten von Amerika. Für die Amerikaner ist der Ragtime bis heute das, was in Europa die klassische Musik war. Heute wird der Ragtime fast ausschließlich als klavierbetonte Musik wahrgenommen, die eventuell noch von einem Banjo unterstützt wird, aber der eigentliche Ragtime ist wesentlich komplexer.

Kuchentanz

Angefangen hat alles mit einem sonntäglichen Vergnügen. Die Besitzer der großen Plantagen in den Südstaaten der USA erlaubten ihren Sklaven, an jedem Sonntagabend einen Tanzwettbewerb zu veranstalten. Wer nach Meinung der Jury am besten tanzen konnte, der bekam einen Kuchen als Preisgeld. Die Musik zu diesem „Cakedance" wurde auf einem Banjo und einem Klavier gespielt. Je nach Tanz war die Musik schnell oder langsam und aus den Stücken, die dort gespielt wurden, entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Art Gesellschaftstanz, aus dem schließlich Ragtime wurde.

Missouri und St. Louis

Begonnen hat die Geschichte des Ragtime 1897 in Missouri, wo erste Kompositionen wie der „Louisiana Rag" von Theodore Northrup für Aufsehen sorgten. Richtig bekannt wurde die frühe Form des Jazz allerdings erst 1904 während der Weltausstellung in St. Louis. Damals gab es Wettbewerbe für Ragtime-Musiker, an denen sich auch ein Mann namens Scott Joplin beteiligte. Er komponierte das wohl bekannteste Ragtime Stück „The Entertainer".

Ab dem Jahr 1906 war der Ragtime die populärste Musik in den USA überhaupt. Kein Tanzlokal und keine private Feier kamen ohne den Ragtime aus. Es gab unzählige Künstler, die von Stadt zu Stadt zogen, um dort in den Clubs und Lokalen zu spielen. Ragtime war zu dieser Zeit mehr als nur Musik, sondern beschrieb eine Art Lebensgefühl. Nach dem Tod von Scott Joplin 1917 ging die Ragtime-Ära zu Ende und machte Platz für den Jazz.